Franz von Assisi

Kalenderhane Camii (Kalender bedeutet Sonderling, Eigenbrötler, das Wort stammt von einem Derwischorden, der im 15. Jh. das Kloster bewohnte); andere Namen: Kirche der Maria Diakonissa, Katholikon des Akatáleptosklosters; erbaut 1180-1200 (angegeben werden bis 7. Jh.!)

Die heutige am Valens-Aquädukt gelegene Kreuzkuppelkirche wurde über den Ruinen eines spätrömischen Bades errichtet, nachgewiesen sind auch zwei Vorgängerbauten aus dem 6. und dem 7./8. Jh.. In den rechteckigen Grundriß ist ein griechisches Kreuz eingeschrieben, das eine Kuppel krönt. Die verbleibenden Eckräume sind deutlich vom Hauptraum abgegrenzt, so daß die Kreuzarme deutlich sichtbar sind. Die mit Fenstern durchbrochenen Schildwände schaffen einen lichten, weiten Raum, dessen hervorragende Marmorvertäfelung die steile Proportionierung betont. Die Apsis wurde im Zuge der Umbauten zu einer Moschee im 15. Jh. abgetragen, und an ihre Stelle trat eine gerade abschließende Schildwand. Die Anfänge der Apsiswölbung sind jedoch noch erhalten. An der Westwand sind zwei spätrömische Spolienkapitelle sichtbar. Überhaupt fällt in der Kalenderhane Camii die Verwendung von Spolien als bedeutende Dekorationselemente auf. An der Ostseite der Nord- und Südseitenarme sind zwei Reliefrahmen angebracht, die wahrscheinlich Ikonen enthielten. Sie sind mit Akanthusblättern und kleinen Büsten geschmückt. Eine ähnliche Anordnung von Ikonen finden wir in der Hauptkirche des Chora-Klosters.

"Die sensationellste Entdeckung, die man während der Restaurierungsarbeiten des Dumbarton Oaks Centers machte, war die Auffindung eines Freskenzyklus vom Leben des Hl. Franz von Assisi in einer der kleinen Kapellen des Diakonikon. Dieser war vermutlich um 1250, während der Lateinischen Herrschaft, ausgeführt worden und ist der früheste Zyklus vom Leben des Hlg. Franz überhaupt, nur fünfundzwanzig Jahre nach seinem Tode entstanden. Er zeigt den Heiligen in zehn Szenen seines Lebens und nimmt in vieler Hinsicht die Fresken Giottos in Assisi vorweg. Andere Entdeckungen waren ein Mosaik der 'Darbringung Jesu im Tempel', wahrscheinlich aus dem 7. Jh., und damit das einzige erhaltene, vor dem Ikonoklastenstreit entstandene christliche Bildwerk in der Stadt; dann ein Mosaik der Theotokos Kyriotissa über dem Haupteingang in den Narthex, das den Streit darüber, wem die Kirche geweiht sei, entschied; schließlich enthält das Diakonikon noch ein Fresko der Kyriotissa, das jedoch viel früher ist als die Mosaiken." An der Westwand ist ein Relief einer Türe, das vielleicht ein Symbol Christi darstellt.

"Ausgrabungen unter und im Norden der Kirche haben zur Auffindung einer Reihe früherer Mauerreste auf dieser Seite geführt. Die frühesten gehören zu einem römischen Bad des 4. oder 5. Jahrhunderts, das verschiedene Räume und offensichtlich eine Warmluftheizung enthielt. Diesem folgte eine frühbyzantinische Basilika um die Mitte des 6. Jahrhunderts, erbaut in Richtung auf den Valens-Aquädukt, dessen Bögen als Nordschiff benützend. Schließlich wurde in der vorikonoklastischen Periode nach Süden eine andere Kirche erbaut, von der ein Teil den Altarraum und die Apsis der gegenwärtigen Kirche bilden. Reste des Fußbodens im opus sectile dieser frühen Bauten wurden unter dem Boden der jetzigen Apsis gefunden."

"Seit in der spätrepublikanischen Zeit die ausländischen farbigen Marmorarten nach Rom eingeführt worden waren, wurden sie sozusagen zum Statussymbol, und im 1. und 2. Jh. n. Chr. weitete sich die Produktion gewaltig aus. Kein Bauwerk, das etwas darstellen sollte, konnte auf sie verzichten ... Die Gesamtwirkung eines spätrömischen oder frühbyzantinischen Innenraums beruhte weitgehend auf einer verschwenderischen Verwendung von Marmor. Um den so hochgepriesenen vielfarbigen Effekt zu erzielen, mußte man zahlreiche rings um das Mittelmeer gelegene Steinbrüche ausbeuten. Roter Porphyr, der höchstgeschätzte und kostbarste aller Steine, kam ausschließlich aus Ägypten, grüner Porphyr aus Lakonien, grüngeäderter Serpentin aus Thessalien, leuchtendgelber Marmor (giallo antico) aus Tunis, elfenbeinfarbener Onyx aus Hierapolis in Phrygien usw."

Die Herstellung der Marmorverkleidung war damals äußerst schwierig und somit teuer. Um die dünnen Marmorplatten herzustellen wurde am oberen Teil des Marmorblocks zuerst eine Rille geöffnet, diese wurde dann mit Sand gefüllt; mit Hilfe eines Seiles oder eines Sägeblattes wurde dann eine dünne Platte abgesägt. Die Arbeit welche in der Wandverkleidung steckt läßt sich erst einschätzen, wenn man weiß, daß an einem Tag nur ca. 5 cm gesägt werden konnten.

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